Madeirawine Company

Seit dem Jahr 2010, anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Familie Blandy auf Madeira, erwarb die Familie Blandy die Mehrheitsanteile an der Madeira Wine Company (MWC) zurück und das Symington Family Estates zog sich weitestgehend aus der MWC zurück. 1989 war hatte Symington den Großteil der Anteile an der MWC erworben.

Die MWC nutzt nach wie vor die Vertriebswege des Portweinriesen Symingten in den USA und Großbritanien.



Madeira Wine Company (Madeira Wine Association)

1913 schlossen sich die Madeiraweinproduzenten und -exporteure William Hinton & Sons, Welsh Brothers sowie Cunha — seinerseits bereits ein Zusammenschluss der Firmen Cunha und Henriques, Camara & Co. — zur Madeira Wine Association zusammen.


Ziel dieses Zusammenschlusses war es, Synergieeffekte zu nutzen, die internationale Sichtbarkeit zu erhöhen und zugleich die Gemeinkosten in einem schrumpfenden Weltmarkt zu senken. 1917 verließ William Hinton die MWA wieder, doch im Laufe der Zeit traten zahlreiche weitere Firmen bei.


Zeitweise bestand die MWA aus bis zu 28 einzelnen Firmen, darunter Blandy’s, Cossart Gordon, Miles, Leacock’s, Cunha, Welsh Brothers, Power Drury & Co., T. T. da Camara Lomelino Lda., Bianchi’s Madeira, F. F. Ferraz & Co., Viúva Abudarham, Aguiar Freitas & Co., Barros Almeida, V. Donaldson & Co., F. Martinez Caldeira & Co., Funchal Wine Co., Madeira Victoria & Co., A. Nóbrega, A. Pires Scholz & Co., J. B. Spinola, Shortridge Lawton & Co. und C. V. Vasconcelos.


1925 traten die Unternehmen Blandy’s und Leacock’s der Association bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten Cossart Gordon und Miles. Damit wurde die MWA zum größten Madeiraweinproduzenten und -exporteur der Insel.


Die Weine der einzelnen Firmen hatten — und haben bis heute — jeweils ihren eigenen Stil. Das führte dazu, dass eine enorme Zahl unterschiedlicher Blends für die einzelnen Marken produziert wurde, obwohl die Firmen nach außen weiterhin als selbständige Häuser auftraten. Das wiederum verursachte einen immensen logistischen Aufwand und eine entsprechend umfangreiche Lagerhaltung.



Alex Liddell zitiert in seinem Buch „Madeira“ Ferdinando Bianchi über die Situtaion in den 1950er Jahren „I travelled quite a lot in Germany. We had seventy or eighty agents. When I traelled there it was a most difficult time for me, because I had to produce different cards. I remember once that I went to Frankfurt and I travelled under the name of Welsh. The following day I was going to Mainz under the name of Leacock. And it happened that our agent who came from Mainz wanted me to visit his colleague in Frankfurt who dealt with Welsh. I was so embarrases to explain to him that I couldn’t go there, because I had been there the day before.“ (S. 195)


1974 wurden im Zuge der Revolution alle Banken verstaatlicht. Dadurch wurde die Kapitalbeschaffung für die Weinwirtschaft erheblich schwieriger, denn die Banken förderten nun eher soziale Projekte als die langfristige Finanzierung der Weinlagerung. Bereits bestehende Kredite wurden gestoppt, was die MWA in große Schwierigkeiten brachte. Viele Firmeninhaber verließen in dieser Zeit die MWA und teilweise auch ganz das Weingeschäft.


Damals waren Blandy’s und Leacock’s die größten Anteilseigner der MWA. Innerhalb von zwei Jahren traten Richard Blandy, Anthony Miles und William Leacock in die MWA ein, um die Interessen ihrer Familien innerhalb des Unternehmens zu vertreten. Im Laufe der Zeit übernahm Blandy’s die Anteile von Leacock’s.


1981 wurde der Name der MWA in Madeira Wine Company (MWC) geändert. Hintergrund war, dass der Begriff Association im portugiesischen Gesellschaftsrecht keine entsprechende Bedeutung hatte. 1986 trat Portugal der Europäischen Gemeinschaft bei; von nun an mussten auch die europäischen Richtlinien für Weinbereitung und Kennzeichnung berücksichtigt werden.



1989 wurde die Portweingruppe Symington Anteilseigner der MWC. Symington verfügte damals bereits über ein großes internationales Vertriebsnetz. Mit dem Einstieg der Symingtons schieden Miles und Leacock’s als eigenständige Teilhaber aus; ihre Anteile gingen an Symington über. Dadurch wurde Symington zum größten Anteilseigner. Gleichzeitig schrumpfte die MWC faktisch auf einen aktiven Madeiraweinproduzenten zusammen: Blandy’s.


In diesem Zusammenhang wurden die vier Hauptmarken der MWC neu profiliert: Blandy’s, Cossart Gordon, Miles und Leacock’s.

Jede dieser Marken besitzt bis heute ihren eigenen Stil, auch wenn die eigentliche Produktion innerhalb der MWC gebündelt ist. 2010 zog sich Symington weitgehend aus der MWC zurück und behielt nur noch eine Minderheitsbeteiligung.





Das Besucherzentrum – Blandy’s Wine Lodge


Die Blandy’s Wine Lodge liegt in der Avenida Arriaga 28 im Zentrum Funchals. Das Gebäude, ehemals als Adegas de São Francisco bekannt, ist seit dem 19. Jahrhundert eng mit der Familie Blandy verbunden und bildet bis heute das historische Herz des Unternehmens.

John Blandy erwarb das ehemalige Kloster 1838 bzw. 1840 (hier widersprechen sich die Quellen).


Auch heute noch reifen dort große Mengen Madeirawein in Fässern und Holzbottichen. Die verschiedenen Räume weisen unterschiedliche Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf, sodass die Weine je nach gewünschtem Reifeverlauf in unterschiedlichen Bereichen lagern.

Die Lodge ist damit nicht nur ein Besucherzentrum, sondern zugleich ein aktiver Reifungsort mit erheblicher önologischer Bedeutung.


Hier befinden sich außerdem ein Museum sowie Teile der privaten Weinsammlung der Familie Blandy. Diese Räume können im Rahmen verschiedener Führungen besichtigt werden, und in den Verkostungsräumen lassen sich die Weine der MWC probieren und erwerben.


Die Max-Römer-Bar ist der größte Verkostungsraum. Die Wandmalereien stammen von dem deutschen Maler Max Römer und zeigen die Weinbereitung. Der Vintage Tasting Room beeindruckt durch eine außergewöhnliche Dichte an alten Jahrgangsweinen in den Regalen; viele davon können verkostet werden, manche seltenen Einzelflaschen hingegen dienen nur noch als historische Schaustücke.


Neben einem Souvenirgeschäft und einem Weinladen, in dem nicht nur Madeiraweine, sondern auch andere Weine angeboten werden, befinden sich in der Wine Lodge auch das 1811 Bistro & Wine Bar sowie mehrere Ferienapartments.  Die Lodge ist an sieben Tagen in der Woche für Führungen geöffnet und zählt zu den wichtigsten weintouristischen Anlaufstellen Funchals.

Adresse:
Madeira Wine Company
Avenida Arriaga 28
9000-064 Funchal

Internet: madeirawinecompany.com
Internet: blandyswinelodge.com






Produktion und Weinberge

Die Vinifikation findet nicht in der Blandy’s Wine Lodge statt, sondern in der modernen Kellerei der MWC in Caniçal, die 2014 in Betrieb genommen wurde. Dort befinden sich unter anderem die Estufas, die Abfüllanlage und das Labor. Ferner gibt es dort 12 Lagerräume für den canteiro-Ausbau.

In Canical herrscht ein anders Mikroklima als in der Old Blandy's Wine Lodge: In Canical ist die Luftfeuchtigkeit deutlich höher als in Funchal und sowohl die Durchschnitttemperatur in Funchal (23,6°C) als auch die Höchsttemperatur in Funchal (36°C) sind höher als in Canical (21°C Durchschnittstemperatur und 32°C Höchsttemperatur). Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf die Reifung der Weine. So kommt es vor, dass Weine eine Zeitlang in Canical reifen und dann nach Funchal zur weiteren Reife gebracht werden oder auch umgekehrt.

In der Old Blandy's Wine Lodge gibt es fünf verschiedene Lagerräume, wobei jeder etwas andere Bedingungen hat bezüglich Feuchtigkeit und Temperatur. Daher werden Weine während der Reifezeit von den höheren Stockwerken in die unteren transferiert.

Insgesamt hat die Madeira Wine Company ca. 3 Mio Liter Wein gelagert; einen Teil in Edelstahltanks und den anderen Teil in über 2000 Fässern mit einem durchschnittlichen Fassungsvermögen von 615 Litern.



Die MWC besitzt eigene Weinberge, darunter die Quinta de Santa Luzia, die Quinta do Furão und die Quinta do Bispo. Daneben bezieht das Unternehmen einen großen Teil seiner Trauben von zahlreichen Weinbauern auf Madeira.

Auch wenn die Weine der MWC heute im selben Haus erzeugt und von einem gemeinsamen Team betreut werden, werden sie weiterhin unter vier traditionsreichen Marken vertrieben, die sich stilistisch klar voneinander unterscheiden.


Das Standard-Sortiment der Marke Blandy's


Blandy’s Duke of Sussex 3 years old dry

Blandy’s Rainwater 3 years old medium dry

Blandy’s Duke of Cumberland 3 years old medium rich

Blandy’s Duke of Clarence 3 years old rich


Die dreijährigen werden aus Tinta Negra hergestellt und unterlaufen dem estufagen.


Blandy’s 5 years old Sercial

Blandy’s 5 years old Verdelho

Blandy’s 5 years old Bual

Blandy’s 5 years old Malmsey

Blandy’s 5 years Reserva rich (= Alvada)

 

Der 5 years old rich bzw. Alvada, wie er früher hieß, ist ein Verschnitt aus 5jährigem Bual und 5jähriger Malvasia.


Blandy’s 10 years old Sercial

Blandy’s 10 years old Verdelho

Blandy’s 10 years old Bual

Blandy’s 10 years old Malmsey

Ende 2024/Anfang 2025 wurden die 10jährigen Weine von Blandys neu kreiert. Der Zusammenstellung der Blends ist anders als zuvor, da man nun auf Weine zurückgreifen konnte, die in Canical reiften und nicht nur in Funchal, wie es bis 2014 war. Die "neuen" 10jährigen sind deutlich weniger gefärbt als die bisherigen 10jährigen Blends und auch in der Nase und am Gaumen unterscheiden sie sich deutlich. Auch das Flaschendesign hat sich geändert: statt güner Flaschen nimmt man nun klare Flaschen und ermöglicht so einen Blick auf die Farbe des Weines.

 

Blandy’s 15 years old Sercial

Blandy’s 15 years old Bual

Blandy’s 15 years old Malmsey

 

Blandy’s 20 years old Terrantez (medium rich)

Dieser Wein gehört nicht zum Standardrepertoire, einfach schon aufgrund der Seltenheit der Traube. Er wurde 2011 anläßlich des 200jährigen Firmenjubiläums herausgegeben und inzwischen ausverkauft. Er wurde ausschleßlich im canteiro-Verfahren in der Blandy's Wine Lodge ausgebaut. Als blend (Verschnitt aus verschiedenen Jahrgangsweinen) bedeutet das Alter von 20 Jahren, dass die verwendeten Weine im Durchschnitt 20 Jahre alt waren, einige also älter und andere jünger als 20 Jahre.

 

Blandy’s 30 years old Bual

Auch dieser Bual ist ein blend, der jüngste verwendete Wein ist 11 Jahre alt, der älteste 47 Jahre. Alle verwendeten weine wurden im canteiro-Verfahren ausgebaut und reiften in 650-Liter-Fässern in der Old Blandy's Wine Lodge in Funchal. Ein halbes Jahr vor der Flaschenabfüllung wurden die Weine in einem 650-Liter-Fass ermählt und reiften dann gemeinsam bis zur Abfüllung.


Blandy’s 50 years old Malmsey

2016 erschienen sind die 800 500 ml Flaschen längst vergriffen.


Neben diesem Standardsortiment finden sich unter dem Namen Blandy's auch Colheitas und Vintages. Der älteste Wein ist der Blandy's Bual 1920.



Adresse:


Madeirawinecompany
Avenida Arriaga 28
9000-064 Funchal


Internet: https://www.blandy.com/

Facebook: https://www.facebook.com/BlandysMadeiraWine/

Instagram: https://www.instagram.com/blandysmadeirawine/




Das Standard-Sortiment der Marke Cossart Gordon



Cossart Gordon Special Dry Aperitif

Cossart Gordon Rainwater medium dry

Cossart Gordon Good Company medium rich

Cossart Gordon Good Company full rich

Diese 3jährigen Weine werden aus Tinta Negra Mole im estufagem-Verfahren hergestellt.

 

Cossart Cossart Gordon Gordon 5 years old Sercial

Cossart Cossart Gordon Gordon 5 years old Verdelho

Cossart Cossart Gordon Gordon 5 years old Bual

Cossart Cossart Gordon Gordon 5 years old Malmsey

 

Cossart Cossart Gordon Gordon 10 years old Verdelho

Cossart Cossart Gordon Gordon 10 years old Bual

Cossart Cossart Gordon Gordon 10 years old Malmsey

 

Cossart Cossart Gordon Gordon 15 years old Bual

Cossart Cossart Gordon Gordon 15 years old Malmsey


Auch unter dem Markennamen Cossart Gordon finden sich Colheitas und Vintages.


Adresse:


Madeirawinecompany
Avenida Arriaga 28
9000-064 Funchal


Internet: https://www.cossartgordon.com/

Facebook: https://www.facebook.com/cossartgordon

Instagram: https://www.instagram.com/cossartgordonmadeira/


Das Standard-Sortiment der Marke Cossart Gordon


Miles Dry

Miles Rainwater

Miles Medium Rich

Miles Rich

 

Miles 5 Years old Dry

Miles Rainwater 5 years old medium dry

Miles5 Years old medium rich

Miles5 Years old rich

 

Miles 10 Years old dry

Miles 10 Years old rich


Alle Weine, die unter dem Namen Miles auf den Markt kommen, werden aus Tinta Negra Mole gekeltert. Auf ihrer Internetpräsenz wirbt Miles für Cocktails mit Miles Madeira. Das ist mir vollkommen unverständlich, da besonders der 10 Years old rich ein phantastischer und komplexer Wein ist.

Neben zwei Colheitas bieten Miles z. Zt auch sechs Tinta Negra Vintages an.


Adresse:


Madeirawinecompany
Avenida Arriaga 28
9000-064 Funchal


Internet: https://www.milesmadeira.com/

Facebook: https://www.facebook.com/miles.madeira.wine/

Instagram: https://www.instagram.com/miles.madeira.wine


Das Standard-Sortiment der Marke Cossart Gordon


Leacock’s Saint John Dry 3 years old

Leacock’s Saint John Rainwater (medium dry) 3 years old

Leacock’s Saint John Full Rich 3 years old

 

Leacock’s 5 years old Special Dry; canteiro

Leacock’s 5 yeras old medium dry; canteiro

Leacock’s 5 yeras old fill rich; canteiro

 

Leacock’s 10 years old medium dry; canteiro

Leacock’s 10 years old medium rich; canteiro

 

Leacock’s 15 years old medium rich; canteiro


Die Marke Leacock ist überraschenderweise nicht in der Blandy's Wine Lodge erhältlich. Sie wurden/werden überwiegend für den lokalen Markt gemacht. Allerdings habe ich auf Madeira keinen dieser o.g. Weine gefunden. Ich habe den Eindruck, dass die Marke Leacock dabei ist, zu verschwinden.

Alle Weine werden aus Tinta Negra Mole gekeltert und mit Ausnahme der 3jährigen Weine im canteiro-Verfahren gereift.

Leacocks haben einen Vintage: Tinta Negra 1995, die 2016 erschienen ist.


Adresse:


Madeirawinecompany
Avenida Arriaga 28
9000-064 Funchal


Internet: https://www.leacockmadeira.com/

Facebook:

Instagram:


Cossart Gordon - The oldest Shipper of Madeirawine


Cossart Gordon & Co. wurde 1745 gegründet und ist das älteste kontinuierlich tätige Unternehmen im Madeiraweinhandel. Die Firma verkörpert wie kein zweiter Produzent die britische Weintradition auf der portugiesischen Insel und prägte entscheidend die moderne Madeira-Produktion.


Die Gründung und die schottischen Wurzeln (1745–1808)

Am 12. September 1745 kam Francis Newton, ein junger Schotte, von Gravesend in Großbritannien nach Madeira und gründete noch im selben Jahr die Weinfirma. Von 1758 bis 1763 wurde er von seinem jüngeren Bruder Thomas unterstützt. Im Jahr 1758 trat auch Thomas Gordon von Balmaghie, ebenfalls ein Schotte, in die Firma ein. 1791 kam Thomas Murdoch hinzu, sodass die Firma fortan Newton, Gordon, Murdoch & Co. hieß.


Bereits in dieser frühen Phase entwickelte das Unternehmen enge Handelsbeziehungen zu den amerikanischen Kolonien, vor allem durch Francis Newtons Bruder Andrew, der nach Virginia ausgewandert war. Die Firma erwarb sich einen außergewöhnlichen Ruf als Lieferant feinster Madeiraweine. Die nordamerikanischen Kolonien waren zu dieser Zeit der größte und anspruchsvollste Markt; die besten Weine wurden als „American Madeira" bezeichnet. Um 1850 soll die Firma „die Hälfte der Inselproduktion" verschifft haben.


Der Eintritt der Familie Cossart (1808–1831)

1808 wurde die schottische Dominanz der Firma durch die Ankunft von William Cossart durchbrochen, einem Iren mit hugenottischen Wurzeln aus einer angesehenen französischen Familie. 1831 kam sein Neffe Peter Cossart auf die Insel, sodass die Firma kurzzeitig in Newton, Gordon, Cossart & Co. umbenannt wurde. Nach dem Tod von Francis Newton und dem Rückzug des letzten Vertreters der Gordon-Familie erhielt die Firma ihren bis heute bekannten Namen: Cossart, Gordon & Co.


Die Familie Cossart gehörte über fast zwei Jahrhunderte zu den einflussreichsten Familien Madeiras. Das maßgebliche Standardwerk über Madeirawein, Madeira: The Island Vineyard, wurde von Noël Cossart verfasst, einem ehemaligen leitenden Partner der Firma, der 1907 auf Madeira geboren wurde.


Britische Tradition und internationale Expansion

Seit 1748 wurde die Firma als britisches Unternehmen betrachtet und unterhielt ein Büro in London, wo sie 1909 auch formell registriert wurde. Bis zum Zweiten Weltkrieg exportierte Cossart Gordon neben Madeirawein auch Portwein und Sherry, konzentrierte sich nach Kriegsausbruch jedoch vollständig auf Madeirawein.


Cossart Gordon eröffnete auch ein eigenes Büro in Großbritannien, um den wichtigen britischen Markt zu betreuen, und hielt diese Präsenz bis in die späten 1980er-Jahre aufrecht.


Eintritt in die Madeira Wine Association (nach dem Zweiten Weltkrieg)

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Cossart Gordon der Madeira Wine Association (später Madeira Wine Company) bei. Damit schloss sich die Firma mit Blandy's, Leacock's und Miles zusammen und wurde Teil des größten Madeirawein-Produzenten und -Exporteurs der Insel.


Cossart Gordon heute

1989 gingen die Firmenanteile der Firma an die Firma Symington und die Familie Cossart zog sich komplett aus dem Weinhandel zurück.

Auch wenn Cossart Gordon heute nicht mehr als eigenständiges Unternehmen existiert, lebt der Name als eine der vier historischen Marken der Madeira Wine Company fort.


Miles Madeira – Geschichte


Miles Madeira hat ein ähnliches Schicksal wie Cossart Gordon: Heute existiert die Firma nur noch als eine der vier historischen Marken der Madeira Wine Company.


Gründung und frühe Jahre (1814–1856)

Die Firma wurde 1814 als Rutherford & Grant gegründet und entwickelte sich über viele Jahrzehnte zu einem der erfolgreichsten Madeiraweinproduzenten der Insel. Die Firma profitierte vom florierenden internationalen Handel mit Madeirawein, der im 19. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte.


Der Eintritt von Henry Price Miles (1856–1872)

1856 kam Henry Price Miles zusammen mit seiner Mutter als Kind nach Madeira. Ab seinem zwölften Lebensjahr arbeitete er bei Rutherford und lernte dort alle Facetten des Madeiraweinhandels kennen – von der Weinherstellung über die Lagerhaltung bis hin zum Export.

1872, als die Reblaus (Phylloxera) auf Madeira wütete und den Weinanbau sowie den Weinhandel nahezu zum Erliegen brachte, verließ die Familie Rutherford die Insel und begann in London ein Importgeschäft aufzubauen. Henry Price Miles kaufte Rutherford dessen Anteile an der Madeira-Weinfirma ab und übernahm damit die volle Kontrolle über das Unternehmen.


Strategische Partnerschaft und internationale Expansion (1872–1920er)

In den kommenden Jahren entwickelte sich eine enge strategische Partnerschaft: Rutherford handelte von London aus in Großbritannien, Russland und Skandinavien ausschließlich mit Miles-Madeiraweinen. Diese Arbeitsteilung erwies sich als äußerst erfolgreich: Miles konzentrierte sich auf die Produktion und Lagerung auf Madeira, während Rutherford die Markterschließung in Nordeuropa übernahm.

Die Firma Miles etablierte sich als Synonym für zugängliche, verlässliche Madeiraweine mit einem klaren, geradlinigen Stil, der sich von den komplexeren Weinen anderer Häuser unterschied.


Eintritt in die Madeira Wine Association (nach dem Zweiten Weltkrieg)

Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Miles der Madeira Wine Association bei. Damit schloss sich die Firma mit Blandy's, Cossart Gordon und Leacock's zum größten Madeiraweinproduzenten und -exporteur der Insel zusammen.

1989, als die Symington Family Estates bei der Madeira Wine Company (MWC) einstiegen und Anthony Miles als Anteilseigner ausschied, gingen die Anteile von Miles an Symington über.

2015 gewann die Familie Blandy die Kontrolle über die MWC zurück; Symington behielt eine Minderheitsbeteiligung.


Der Miles-Stil heute

Miles Madeira sagt man nach, dass sie sich durch durch einen zugänglicheren, weniger komplexen Stil aus als die anderen Marken der MWC auszeichnen. Miles Weine seien unkomplizierte, direkte Madeiraweine, die sich besonders gut für Cocktails und moderne Mixgetränke eignen.

Dem widerspreche ich. Auch wenn auf der Internetpräsenz mit Cocktails für die Miles Weine geworben wird, so stehen beispielsweise der 10jährige Tinta Negra doce und der 20jährige Tinta Negra doce anderen Weinen weder in Komplexität noch Eleganz nach.

Besonderheit: Alle Weine, die unter dem Namen Miles auf den Markt kommen, werden überwiegend aus Tinta Negra gekeltert – auch die 10-jährigen Weine. Dies unterscheidet Miles von den anderen Marken, die in den höheren Altersstufen auf die klassischen weißen Rebsorten (Sercial, Verdelho, Bual, Malvasia) setzen.


Miles heute

Neben zwei Colheitas bietet Miles aktuell auch sechs Tinta Negra Vintages an, die den klassischen Miles-Stil in unterschiedlichen Jahrgängen repräsentieren. Hier ist besonders der Miles Tinta Negra 1996 zu erwähnen:
Die Trauben dieses fantastischen Weines stammen aus Sao Vicente an der Nordküste Madeiras und aus  Estreito de Câmara de Lobos; der Wein wurde im canteiro-Verfahren ausgebaut in gebrauchten 650-Liter-Eichenfässern aus amerikanischer Eiche und 2017 abgefüllt.

Es wurden:

  • 1628 Flaschen mit 750 ml,
  • 70 Magnum-Flaschen (1,5 l)
  • 40 Jeroboam (Doppelmagnum)
  • 3 Melchior (18 l)

abgefüllt.


Leacock's – Geschichte

Leacock's gehört zu den traditionsreichsten Namen im Madeiraweinhandel und ist heute eine der vier historischen Marken innerhalb der Madeira Wine Company.


Die Anfänge – John Leacock (1741–1749)

Nach dem Tod seines Vaters kam John Leacock 1741 nach Madeira und wurde im Alter von nur 15 Jahren der jüngste Lehrling bei Catanach & Murdoch. Dort arbeitete er bis zum 11. März 1749 und erlernte alle Aspekte des Madeiraweinhandels.

In dieser Zeit pflegte er Kontakt zu einem alten Schulfreund, John Patient, der in South Carolina (USA) tätig war. Die beiden beschlossen, gemeinsam als Händler tätig zu werden und bauten eine Handelsverbindung zwischen Madeira und den amerikanischen Kolonien auf – zu einer Zeit, als nordamerikanischer Madeira als der feinste galt.


Geschäftspartner und Expansion (1758–1820er)

Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die Geschäftspartner von Leacock's mehrfach. Vieles ist im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen, doch einige Namen sind gesichert:

1758: George Spence, der zuvor bei Newton & Spence (später Cossart Gordon) tätig war, stieg bei Leacock's ein

Ab 1762: Sein Sohn John Russell Spence folgte ihm nach

Zuvor war auch Michael Nowlan als Partner beteiligt

Die genaue Abfolge und alle Beteiligten lassen sich heute nicht mehr vollständig rekonstruieren, doch die Firma etablierte sich als eines der führenden Handelshäuser für Madeirawein.


Thomas Slapp Leacock – Retter der edlen Rebsorten (1872)

Der bekannteste Vertreter der Familie ist Thomas Slapp Leacock, ein Enkel von John Leacock. Als 1872 die Reblaus (Phylloxera) auf Madeira wütete und den Weinbau nahezu zum Erliegen brachte, experimentierte er in seinem Weinfeld Saint John intensiv mit Gegenmitteln.

Er war erfolgreich: Thomas Slapp Leacock fand heraus, dass ein regelmäßiges Bestreichen der Wurzeln der Reben mit einer Mischung aus Harz, Terpentin und heißem Wasser wirksam gegen die Reblaus half. Dieser Durchbruch war entscheidend für das Überleben der traditionellen Rebsorten Sercial, Verdelho, Bual und Malvasia auf Madeira.

Ohne Thomas Slapp Leacocks Pionierarbeit wäre die klassische Madeiraweinproduktion mit den edlen weißen Rebsorten möglicherweise für immer verloren gegangen. Sein Weinfeld Saint John wurde zum Symbol für diese Rettungsaktion und findet sich bis heute im Namen der Leacock's-Weine wieder.


Eintritt in die Madeira Wine Association (1925)

1925 trat Leacock's gemeinsam mit Blandy's der Madeira Wine Association bei. Damit wurden zwei der bedeutendsten Madeira-Familien Teil des größten Zusammenschlusses von Madeiraweinproduzenten auf der Insel.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich auch Cossart Gordon und Miles an, sodass die vier großen Traditionshäuser unter einem Dach vereint waren.


Übergang an Symington und Blandy (1989–2015)

1989, als die Symington Family Estates bei der Madeira Wine Company einstiegen, schied William Leacock als Anteilseigner aus. Die Anteile der Firma Leacock's gingen an Symington über, die damit Mehrheitsanteilseigner der gesamten MWC wurden.

2015 kaufte die Familie Blandy die Kontrolle über die MWC zurück; Symington behielt eine Minderheitsbeteiligung.


Der Leacock's-Stil heute

Leacock's ist überraschenderweise nicht in der Blandy's Wine Lodge erhältlich. Die Weine wurden/werden überwiegend für den lokalen Markt auf Madeira produziert und sind außerhalb Portugals schwerer zu finden als die anderen MWC-Marken.

Besonderheit: Alle Leacock's-Weine werden aus Tinta Negra gekeltert. Mit Ausnahme der 3-jährigen Weine, die dem Estufagem-Verfahren unterzogen werden, reifen alle Leacock's-Weine im traditionellen Canteiro-Verfahren.

Das Sortiment umfasst derzeit einen Vintage: Tinta Negra 1995, der 2016 erschien und den klassischen Leacock's-Stil in einem Einzeljahrgang repräsentiert.


Die Marke ehrt das Erbe von Thomas Slapp Leacock durch die Namensgebung "Saint John" für die 3-jährigen Weine – eine Reminiszenz an jenes legendäre Weinfeld, in dem die Rettung der edlen Rebsorten gelang.


Blandy's – Firmenporträt

Blandy's ist die einzige Familie unter den ursprünglichen Gründern der Madeira Wine Association, die bis heute ihr eigenes Weinunternehmen besitzt und leitet. Seit über zwei Jahrhunderten prägt die Familie die Entwicklung des Madeiraweinhandels und verkörpert wie kein anderes Haus die Kontinuität einer über 200-jährigen Familientradition.


Die Anfänge – John Blandy (1808–1811)

John Blandy, der Gründer von Blandy's, kam 1808 nach Madeira. Ein Empfehlungsschreiben aus London vom 23. Dezember 1807 an die Weinhändler Newton, Gordon, Murdoch lautet:


"Sirs! At the desire of our particular friend, Richard Fuller Esq., Banker in this City, we beg leave to introduce Mr John Blandy who visits your Island on account of ill health and wishes to obtain employment in a Counting House."



1811 gründete John Blandy gemeinsam mit seinen Brüdern Thomas und George sein eigenes Unternehmen als Weinhändler (wine shipper) und allgemeiner Kaufmann. Die Firma begann sofort mit dem Export von Madeirawein in die entferntesten Winkel der Welt: nach Russland, Nordeuropa, in die Karibik und nach Nordamerika.


Die Blandy's Wine Lodge – Ein strategischer Aufbau

Über nahezu 20 Jahre hinweg kaufte John Blandy systematisch kleine Grundstücke und Gebäude auf, darunter Teile des ehemaligen Franziskanerklosters São Francisco. Diese Gebäude bilden heute die Blandy's Wine Lodge in der Avenida Arriaga 28 im Zentrum Funchals.

Die historischen Lagerhäuser besitzen einzigartige klimatische Eigenschaften: Ihre bauliche Struktur schafft unterschiedliche Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen vom Keller bis zu den obersten Dachgeschossen (attics). Diese natürliche Variation macht die Wine Lodge ideal für die traditionelle Canteiro-Reifung von Madeirawein.


Krisenmanagement und Weitsicht

1852, während der verheerenden Oidium-Plage (Echter Mehltau), war es Charles Blandy, der mit großer Weitsicht einen erheblichen Teil der alten Weinbestände der Insel aufkaufte. Dadurch sicherte er die Fähigkeit seines Unternehmens, auch während der Krise weiterhin Madeirawein verkaufen zu können – während viele Konkurrenten scheiterten.

Diese Strategie wurde zur Familientradition: Jede Generation übernahm das Unternehmen mit dem Ziel, es für die nächste Generation in einem stärkeren Zustand zu hinterlassen, als sie es selbst vorgefunden hatte.


Die Madeira Wine Association und strategische Partnerschaften

1925 trat Blandy's gemeinsam mit Leacock's der Madeira Wine Association (heute Madeira Wine Company) bei – einem Zusammenschluss mehrerer Madeiraweinproduzenten, um in einem schrumpfenden Weltmarkt gemeinsam zu überleben. Unter der Führung der Familie Blandy überstand die Association die schwierigen Jahre, während viele unabhängige Firmen verschwanden.

1989 ging Blandy's eine Partnerschaft mit der Symington-Familie aus Porto ein, um den globalen Markt weiter auszubauen. Diese Partnerschaft besteht bis heute, wobei die Familie Blandy seit 2015 wieder die Mehrheitskontrolle über die Madeira Wine Company hält.


Innovation und Markführerschaft

2000 führte die Madeira Wine Company unter Führung von Blandy's mit dem Blandy's Malmsey 1994 Harvest eine bahnbrechende Innovation ein: den ersten erschwinglichen, datierten Madeira außerhalb der extrem teuren Vintage-Kategorie (bekannt als Colheita). Weinhändler und Konsumenten weltweit begrüßten diese neue Kategorie, und viele andere Produzenten folgten diesem Beispiel.


Chris Blandy – Die siebte Generation

Chris Blandy repräsentiert die siebte Generation der Familie Blandy auf Madeira und steht heute als CEO der Blandy Group und Chairman der Madeira Wine Company an der Spitze eines Familienunternehmens mit über 200-jähriger Tradition.


Kindheit und Herkunft

Chris Blandy wurde 1979 auf der Insel Madeira geboren. Wie viele englische Familien, die im Ausland lebten, wurde er von der Prep School bis zur Universität in England ausgebildet.

Trotz seiner Schulzeit fern der Heimat blieb die Verbindung zu Madeira stets stark. Die Insel, ihre Kultur und das Familienunternehmen prägten seine Kindheit und sollten seinen Lebensweg bestimmen.


Akademische Ausbildung

Chris Blandy absolvierte sein Studium an der University of Newcastle upon Tyne, wo er einen Bachelor of Arts in Spanish, Portuguese and Latin American Studies erwarb. Diese Fächerkombination war eine bewusste Wahl: Sie ermöglichte ihm ein tiefes Verständnis für die iberische Welt und ihre Kulturen – ein Fundament, das sich später in seiner internationalen Geschäftstätigkeit als wertvoll erweisen sollte.


Berufliche Laufbahn vor dem Eintritt ins Familienunternehmen

Nach seinem Universitätsabschluss sammelte Chris Blandy zunächst außerhalb des Familienunternehmens vielfältige Erfahrungen:


Chris Blandy trat 2002 in die Marketingabteilung der Symington Family Estates in Porto ein – jener Portwein-Dynastie, die seit 1989 auch als Anteilseigner der Madeira Wine Company fungierte. Während seiner zweijährigen Tätigkeit konzentrierte er sich auf das Madeirawein-Geschäft und lernte die Strukturen und Strategien eines weltweit erfolgreichen Weinunternehmens kennen.


2005 zog Chris nach Washington DC, wo er im renommierten Willard InterContinental Hotel arbeitete. Am Ende seiner zweijährigen Zeit dort hatte er die Position des Diplomatic Liaison Manager inne – eine Rolle, in der er ausländische Würdenträger betreute. Diese Tätigkeit schulte ihn in internationalem Protokoll, Diplomatie und höchsten Service-Standards.


Rückkehr zum Familienunternehmen

Im März 2007 kehrte Chris Blandy nach Madeira zurück und trat in das Familienunternehmen ein. Die Verbindung zur Insel hatte ihn stets begleitet, und nun war der Zeitpunkt gekommen, aktiv Verantwortung zu übernehmen.

2010 wurde er Managing Director der Travel and Shipping Division und am Ende desselben Jahres Vollmitglied des Vorstands der Blandy Group. Zudem wurde er Mitglied des Board of Directors von Porto Bay, der Hotelgruppe der Familie.


CEO der Madeira Wine Company (2011–2025)

Im September 2011, dem Bicentennial-Jahr der Familie Blandy, ereignete sich ein historischer Wendepunkt:

Die Familie Blandy und die Symington Family Estates einigten sich darauf, dass Blandy's die Mehrheitsbeteiligung an der Madeira Wine Company zurückkaufen sollte – erstmals seit 1989 hatte die Familie wieder die Kontrolle über ihr eigenes Weingut.

Im selben Monat übernahm Chris Blandy die Rolle des CEO der Madeira Wine Company. In einem Interview beschrieb er diesen Moment:


„Es war ziemlich einschüchternd, in dem Jahr zu übernehmen, in dem Blandy's Madeira nicht nur sein 200-jähriges Jubiläum feierte, sondern auch zum ersten Mal seit 1989 wieder im Besitz meiner Familie war. 200 Jahre Geschichte erhöhen zweifellos das Gewicht der Verantwortung, aber ich habe festgestellt, dass Madeirawein als Ganzes ein spannendes Wachstum erlebt, und mit dem richtigen Team an meiner Seite hoffe ich, den Madeira-Markt neu zu erfinden und die Basis für zukünftige Generationen zu schaffen."

Chris Blandy führte die Madeira Wine Company als CEO bis 2025 und wurde anschließend Chairman.


CEO der Blandy Group (seit 2018)

Parallel zu seiner Rolle bei der Madeira Wine Company übernahm Chris Blandy im Juli 2018 auch die Position des CEO der gesamten Blandy Group. Die Blandy Group ist ein diversifiziertes Familienunternehmen mit Geschäftsfeldern in vier Kernbereichen:

  • Hotelinvestitionen (PortoBay Hotels & Resorts)
  • Madeirawein (Madeira Wine Company)
  • Travel & Shipping (Blandy Travel & Shipping)
  • Immobilien


Die Unternehmensgeschichte ist untrennbar mit der historischen und wirtschaftlichen Entwicklung Madeiras verbunden. Sieben aufeinanderfolgende Generationen der Familie Blandy haben erfolgreich neue Geschäftsfelder entwickelt, verkauft, erhalten und geschaffen – und damit den Erfolg der Gruppe für die Zukunft gesichert.


Nachhaltigkeit und B Corp-Zertifizierung (2022)

2022 erreichte Chris Blandy einen wichtigen Meilenstein: Die Madeira Wine Company erhielt die B Corp-Zertifizierung. Damit schloss sich das Unternehmen einer Gruppe von Firmen an, die Geschäft neu erfinden, indem sie Profit mit Zweck verbinden.

Chris Blandy integrierte viele Prinzipien der B Corp-Philosophie auch in die anderen Unternehmen der Blandy Group und arbeitet daran, auch die Travel and Shipping Agency zu zertifizieren. Für ihn bedeutet Unternehmensführung im 21. Jahrhundert, ökologische und soziale Verantwortung mit wirtschaftlichem Erfolg zu vereinen.


Präsident des IWSC (2017)

Chris Blandy wurde 2017 zum Präsidenten des International Wine & Spirit Competition (IWSC) ernannt – eine der renommiertesten Auszeichnungen der Weinwelt und zugleich Anerkennung seiner Expertise und seines internationalen Ansehens.

Diese Rolle unterstreicht seine Stellung als einer der wichtigsten Botschafter des Madeiraseins weltweit.


Vision und Führungsstil

Chris Blandy steht für eine Balance zwischen Tradition und Innovation:

Bewahrung des Erbes: Er sieht sich als Hüter einer über 200-jährigen Familiengeschichte und legt größten Wert darauf, die traditionellen Produktionsmethoden und die Qualität der Weine zu bewahren.

Renaissance des Madeiraseins: Gleichzeitig treibt er mit strategischem Weitblick die Renaissance des Madeiraseins voran. Madeira soll seinen Platz als einer der großen Weine der Welt zurückgewinnen.

Internationalisierung: Unter seiner Führung hat die Madeira Wine Company ihre globale Präsenz weiter ausgebaut und neue Märkte erschlossen.

Chris Blandy betont immer wieder die Bedeutung des Teams – insbesondere die Zusammenarbeit mit Francisco Albuquerque, dem Master Blender und Winemaker der Madeira Wine Company.



Francisco Albuquerque – Winemaker und Master Blender

Francisco Albuquerque ist einer der bedeutendsten Namen im modernen Madeirawein und gilt als einer der renommiertesten Önologen weltweit im Bereich der verstärkten Weine. Als Director of Oenology und Master Blender der Madeira Wine Company prägt er seit über drei Jahrzehnten den Stil der Weine von Blandy's, Cossart Gordon, Miles und Leacock's.


Herkunft und Ausbildung

Francisco Albuquerque wurde im Funchal geboren und absolvierte sein Studium in Santarém (Festland-Portugal), wo er 1987 sein Diplom in Produktionsingenieurwesen an der Escola Superior Agrária abschloss.

Nach seinem Abschluss kehrte er 1988 nach Madeira zurück mit dem Plan, die Quinta do Arco de São Jorge, die seinem Großvater gehörte, wiederzubeleben. Der von der Bank geforderte Zinssatz von 27% ließ ihn jedoch von diesem Projekt Abstand nehmen.


Der Wendepunkt – Von Australien zum Douro (1990)

Francisco Albuquerque hatte bereits Pläne, nach Australien auszuwandern, als ihn ein Angebot von Blandy's erreichte. Die Firma, die damals bereits mit der Symington Family Estates als Anteilseigner zusammenarbeitete, bot ihm ein Praktikum im Bereich Önologie und Qualitätskontrolle an.

Dieses Praktikum führte ihn zunächst ins Douro-Tal, wo er die Weinlese 1990 mitmachte. Sein beruflicher Weg war damit besiegelt: Direkt im Anschluss wurde er fest angestellt bei Blandy's und ist seither ununterbrochen für die Madeira Wine Company tätig – seit Oktober 1990.


Akademische Vertiefung

Die Arbeit bei der Madeira Wine Company hinderte Francisco Albuquerque nicht daran, seine akademische Karriere fortzusetzen:

  • Postgraduiertenstudium in Biologischer Landwirtschaft,
  • MBA in Management am ISCTE (Instituto Superior de Ciências do Trabalho e da Empresa, Lissabon)


Parallel ist er als Forscher und akademischer Autor tätig und hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel veröffentlicht – stets mit Madeirawein als zentralem Thema.


Auszeichnungen und internationale Anerkennung

Francisco Albuquerques Karriere ist von außergewöhnlichen Auszeichnungen geprägt:

  • Wine Maker of the Year for Fortified Wines beim International Wine and Spirit Competition (IWSC) – und zwar drei Jahre hintereinander: 2006, 2007 und 2008.
  • Len Evans Trophy (2007) – diese Auszeichnung würdigt die konstante Qualität in der Weinproduktion über mehr als fünf aufeinanderfolgende Jahre.
  • Mehrfach als bester Önologe für verstärkte Weine bei nationalen portugiesischen Wettbewerben ausgezeichnet
  • 2023: Nominierung in der Kategorie Bester Önologe für verstärkte Weine bei der Revista Paixão pelo Vinho


Diese Auszeichnungen machen ihn zu einem der am häufigsten prämierten Winemaker weltweit im Bereich der verstärkten Weine.


Pionierarbeit und Innovation

Francisco Albuquerque ist nicht nur Bewahrer der Tradition, sondern auch ein Innovator, der den Madeirawein in die Moderne geführt hat:

Einführung der Colheita-Kategorie (2000)

Im Jahr 2000 brachte er den Blandy's Malmsey Harvest 1994 auf den Markt – den ersten erschwinglichen, datierten Madeirawein außerhalb der extrem teuren Vintage-Kategorie. Diese Innovation, bekannt als Colheita, wurde von Weinhändlern und Konsumenten weltweit begrüßt und von vielen anderen Produzenten übernommen.


Entwicklung der Atlantis-Linie (ab 2000er)

Francisco Albuquerque war maßgeblich an der Entwicklung der Atlantis-Marke für nicht-verstärkte Tafelweine beteiligt. Diese Linie markierte eine neue Phase in der Weinproduktion Madeiras und zeigte, dass die Insel nicht nur für verstärkte Weine, sondern auch für hochwertige Stillweine stehen kann.


Forschung zu autochthonen Rebsorten

Albuquerque ist ein führender Experte in der Erforschung der autochthonen Rebsorten Madeiras und der traditionellen Produktionsmethoden. Er experimentierte mit unterschiedlichen Süßegraden bei verschiedenen Rebsorten und stellte fest, dass jede Rebsorte ihre optimale Süßestufe hat – ein Verdelho als süßer Wein schmeckt schlichtweg „schrecklich", so Albuquerque.


Die historische Authentifizierung (2018)

Eine besondere Anerkennung seiner Expertise erfuhr Francisco Albuquerque 2018, als er gebeten wurde, die älteste Sammlung von Madeirawein zu authentifizieren, die während Renovierungsarbeiten im Liberty Hall Museum in New Jersey (USA) entdeckt worden war.

Hinter einer Mauer, die während der Prohibition errichtet worden war, wurden 50 Flaschen und 42 Demijohns Madeirawein gefunden – einige Exemplare über zwei Jahrhunderte alt. Der älteste Wein war 221 Jahre alt, der „jüngste" 168 Jahre. Darunter befanden sich Flaschen von Verdelho, Sercial und Smoke Madeira.

Die Tatsache, dass ausgerechnet Francisco Albuquerque zur Authentifizierung herangezogen wurde, unterstreicht seine internationale Reputation als absolute Autorität für historischen Madeirawein.


https://www.amorimcork.com/en/media-center/news/220-year-old-pristine-cork-sealed-madeira-wines-discovered-in-liberty-hall-museum-nj/259/

https://www.iwfs.org/americas/wine-food---friends-1/articles/rare-discovery-of-18th---19th-century-madeiras-at-liberty-ha




Meister des Blendings

Als Master Blender verfügt Francisco Albuquerque über eine außergewöhnliche Fähigkeit: die Verwaltung und Komposition alter Weinbestände. Die Kunst des Blendings – das Vermählen verschiedener Jahrgänge zu harmonischen Cuvées – beherrscht er wie nur wenige andere.


Ein besonderer Meilenstein seiner Karriere war das Jahr 2010: Zum ersten Mal in seiner über 30-jährigen Laufbahn gelang es ihm, vier verschiedene sortenreine Weine desselben Jahrgangs (Sercial, Verdelho, Bual, Malvasia) zu produzieren – eine außergewöhnliche Leistung.


Leidenschaft und Vermittlung

Francisco Albuquerque ist nicht nur Produzent, sondern auch Botschafter des Madeiraseins. Er führt regelmäßig Masterclasses durch, in denen er sein Wissen über die Besonderheiten der Madeirawein-Herstellung teilt.

Seine Leidenschaft für Madeira, wo er geboren wurde, spiegelt sich in der Sorgfalt und Perfektion wider, mit der er die Weine der Madeira Wine Company kreiert. Er beschreibt Madeira als „einen basaltischen Felsen vor Marokko, auf der Karte schwer zu finden, einzigartig und multikultural, voller Mikroklimas und Biodiversität".


Vision und Verantwortung

Gemeinsam mit Chris Blandy trägt Francisco Albuquerque die Verantwortung dafür, dass die Madeira Wine Company nicht nur ihre über 200-jährige Tradition bewahrt, sondern auch für die Zukunft gerüstet ist.

Er betont immer wieder die Bedrohung, der Madeirawein ausgesetzt ist, und setzt sich dafür ein, dass dieser einzigartige Wein – einst der teuerste und begehrteste Wein der Welt – seinen Platz unter den großen Weinen der Welt zurückgewinnt.



Mission und Vision

Mission:
Blandy's ehrt über zwei Jahrhunderte Tradition in der Herstellung außergewöhnlicher Madeiraweine. Als familiengeführtes Unternehmen und globaler Marktführer integriert Blandy's sein reiches Erbe mit innovativen Praktiken, um ein vielfältiges Portfolio anzubieten, das bei Kennern von Qualität, Authentizität und Tradition Anklang findet.

Die Vision der Firma lautet: Universell als einer der besten Weinproduzenten der Welt anerkannt zu werden.


Blandy's heute

Heute ist Blandy's einer der weltweit führenden Produzenten von Premium-Madeirawein. Die Firma bleibt an der Spitze der Bemühungen, den Ruf von Madeira als einer der wirklich großen Weine der Welt wiederherzustellen.

Die Familie Blandy ist die einzige, die seit den Anfängen des Madeiraweinhandels durchgehend auf der Insel lebt und das Familienunternehmen führt – eine Tradition, die bis 1811 zurückreicht.